31. März 2009

Seit vier Wochen bin ich nun in Gitega und ich würde behaupten Burundi hier ein Stück näher kennen gelernt zu haben. Die Freundlichkeit, Offenheit, Gelassenheit ist hier einfach etwas anderes als in der Hauptstadt. Man lernt viel schneller neue Leute kennen, wenn man alleine ist, und da es hier keine „Ex-Pat-Community“ gibt, wie in Bujumbura, trinkt man Abends das Bier eben immer mit Burundern, ist meistens sowieso viel lustiger.

Irgendwann kommt das Gespräch dann immer wieder auf Autos. Und natürlich Mercedes. Die besten Autos, die es überhaupt gibt. Und generell egal was die Deutschen machen ist immer gut, dauerhaft und einfach von Qualität. Nicht so wie die anderen Länder… Jaja, das Wunderland Deutschland! Was ich so mitbekomme, sind die Deutschen hier wirklich sehr angesehen, und auch was sie hier in Burundi machen wird ihnen hoch angerechnet – auch wenn es mehr sein könnte…

In Gitega gibt es auch noch einige alte Häuser aus der Kolonialzeit, sowohl belgische als auch deutsche. Leider verfallen die meisten und werden dann abgerissen um neuen, modernen Häusern Platz zu machen, den Denkmalschutz den es in Deutschland gibt nimmt man hier eben nicht so ernst – so geht ein Stück Geschichte verloren. Gestern hat ein Freund mir die ganzen alten Gebäude gezeigt und davon geschwärmt, wie es war, als er noch en Kind war. Vor 25 Jahren muss Gitega wohl wirklich anders ausgesehen haben – kleiner, mit mehr Natur, gepflegter, sauberer – aber durch den jahrelangen Bürgerkrieg ist vieles zerstört wurden, vielleicht auch ein Stück der burundischen Mentalität.

Zur Zeit gebe ich am Vormittag in zwei Klassen an der Berufsschule Englischunterricht. In der einen Klasse macht es auch richtig Spaß, weil die meisten schon zumindest die sechste Klasse beendet haben, also ihren ersten „Abschluss“ schon gemacht haben und somit auch ein bisschen Französisch könne. In der anderen Klasse kämpfe ich mich mit Händen und Füßen durch, weil eigentlich niemand französisch spricht und so die Verständigung manchmal etwas schwer fällt.

Das Schulsystem, soweit ich es verstanden habe sieht hier folgendermaßen aus: Zunächst sechs Jahre auf der „école primaire“. Danach kann man eine Ausbildung machen oder weitere vier Jahre auf die „école secondaire“ bis zur „Mittleren Reife“ gehen. Dann muss man sich spezialisieren und macht weitere drei Jahre auf der „école secondaire“ oder anderen fachliche Schulen um das „Abi“ zu haben.

Die Ausbildung die im Moment an der Berufsschule angeboten wird, ist nur eine „Zertifikats-Ausbildung“ für sechs Monate und die Schüler kommen aus allen möglichen Klassen, zum Teil haben sie noch nicht einmal die „école primaire“ beendet. Die meisten haben aus verschiedenen Gründen die Schule abgebrochen oder die Examen nicht geschafft, und wollen jetzt trotzdem eine Ausbildung machen.

Am Nachmittag bin ich meistens im Heim der Fondation Stamm und mache mit den 15 Jungs Hausaufgaben, spiele Karten oder gehe Fußballspielen… im Moment machen wir ein Volleyballnetz, so dass ich dann beim Volleyballspielen vielleicht nicht immer der schlechteste wie beim Fußballspielen bin…

Der Aufenthalt hier im Landesinneren macht richtig Spaß, nur dass ich soweit vom Stadtzentrum weg wohne stört mich ein bisschen. Tagsüber ist es kein Problem denn Fahrradtaxis gibt es hier genug. So langsam kennen mich auch die meisten und ich muss nicht wieder jedes mal neu über Preis diskutieren. So komm ich hier für 200Fbu (ca. 15ct) fast über all hin. Nur nachts ist es eben ein Problem, zumal ich theoretisch wenn es dunkel wird, also so gegen halb sieben, auch daheim sein sollte… theoretisch…

Bis Ostern werde ich jetzt noch hier in Gitega bleiben, also noch knappe zwei Wochen, die bestimmt wieder wie im Flug vorbei sein werden. Danach werde ich zunächst mal nach Bujumbura zurückkehren, aber ich glaube nicht für lange…

Gitega

7. März 2009

Letztendlich hat es nun also doch noch geklappt, seit Dienstag bin ich nun im Landesinneren, genauer gesagt in Gitega. Das erste was auffällt, ist, dass es hier noch weniger Weiße gibt und dass man somit noch häufiger „Muzungu“ hört, nicht immer unfreundlich gemeint, sondern manchmal auch nur als Begrüßung: „Hallo Muzungu, wie geht’s?“ Und auch wenn ich noch immer nicht fließend Kirundi spreche sondern über ein paar Floskeln bis jetzt nicht hinauskomme, so ist das Erstaunen doch meistens groß…
Gitega also, was gibt es hier? Um es kurz zu machen: nichts besonderes. Einen Markt, der zumindest ein bisschen ruhiger ist als der in Bujumbura, ein paar Geschäfte, Restaurants, in denen es meistens das gleiche gibt und ein Museum.
Ich wohne in einem Heim für körperlich Behinderte Kinder, das von katholischen Schwestern geführt wird. Bis zur Berufsschule der Fondation Stamm sind es genau sieben Minuten zu Fuß. Dort bin ich bis jetzt jeden Morgen gewesen und hab mir erst einmal einen Überblick verschafft. Nächste Woche werde ich dann beginnen in der Elektriker- und Kochausbildung Englischunterricht zu geben.
Am Mittwoch ist das Heim der Fondation, in dem 15 Jungs leben, umgezogen. Die Mieterhöhung hat sie dazu gezwungen. Das neue Haus ist jetzt zwar kleiner aber immer noch in Ordnung, außer dass es bis jetzt noch kein Wasser gibt.
Die Wasserversorgung ist hier generell ein Problem und man muss sich wirklich umstellen, wenn man aus Bujumbura kommt, wo es so gut wie immer Wasser gibt und wo man das Wasser aus der Leitung sogar trinken kann! Jetzt heißt es halt Wasser aus der Zisterne holen und sich dann damit Waschen, aber die letzten zwei Tage kam sogar ein kleines Rinnsal aus dem Wasserhahn…
Soweit also ein kurzer Einblick in den neuen Abschnitt meines FSJ. Land und Leute genauer zu beschreiben fällt mir im Moment ein bisschen schwer, da für mich alles schon normal geworden ist. Aber vielleicht kommt bald noch was, hier hab ich auf jeden Fall mehr Zeit und die Abende sind meistens sehr ruhig. Bis jetzt ist es noch ganz entspannend und wenn es mir zu langweilig wird kann ich ja wieder zurück in den Hauptstadtstress von Bujumbura, geplant sind ohne hin nur vier Wochen hier, aber mal sehen, vielleicht wird es auch länger…