Lebenszeichen
8. Oktober 2008
Hallo, hier bin ich auch mal wieder!
Die Zeit vergeht hier einfach viel zu schnell und ich würde hier auch öfters etwas schreiben, wenn ich die Zeit dafür hätte. Aber meistens ist es mir einfach wichtiger, nach einem ereignisreichen Tag mit den anderen Freiwilligen noch zusammenzusitzen und über das Erlebte zu reden, als mich in meinem Zimmer einzuschließen und an meinem Blog zu schreiben. Habt dafür bitte Verständnis. Trotzdem hoffe ich, dass ich in Zukunft ein bisschen öfters ein Lebenszeichen von mir geben werde…
BURUNDI – hier lebt man einfach vollkommen anders und alles braucht seine Zeit, genauso wie meine Blogartikel… Wenn um sechs Uhr der Hahn anfängt zu krähen, manchmal kräht er aber auch schon um drei Uhr nachts, irgendwie geht seine innere Uhr falsch…, dann dreh ich mich meistens noch einmal im Bett um, bis es gegen halb sieben, siebe Zeit ist aufzustehen. Und nun hört der Tagesablauf auch schon auf, weil jeder Tag anders verläuft, aber meistens nicht so, wie ich ihn geplant hatte.
Diese Woche habe ich endlich anfangen können die Solarlampen zusammenzubauen bzw. einem Jungen aus dem Straßenkinderheim zu zeigen, wie es funktioniert. Es hat überraschenderweise auch von Anfang an super geklappt und es hat richtig Spaß gemacht ihm zu zeigen wie man die Teile richtig zusammenlötet und zusammenbaut. Nur die Verständigung auf Französisch war öfters etwas schwieriger, was aber nicht nur an meinem Französisch lag…
Ansonsten ist für mich hier vieles schon „normal“ geworden, wenn einem z.B. die Kinder auf der Straße nach Geld fragen, so habe ich mich schon gewöhnt sie zu ignorieren und weiterzulaufen – man kann einfach nicht jedem helfen. Schwieriger ist es jedoch, wenn man die Kinder besser kennt und deren Schicksal. Denn im Gegensatz zu ihnen bin ich wirklich in einer wohl behüteten Welt aufgewachsen, in der ich alles hatte was ich brauchte. Und es wäre doch so einfach einer Person mit ein bisschen Geld zu helfen, doch später würde sie wieder kommen…
Heute fang ich auch mit dem Computerkurs im Straßenkinderheim an, nachdem dort endlich die Strominstallationen beendet sind, es braucht eben alles seine Zeit. Ich bin schon gespannt wie es sein wird 16jährigen Jungs zu erklären wie man eine Maus bedient und einen Text abschreibt. Doch ich denke sie haben großes Interesse, denn auch vor Burundi macht die Globalisierung keinen halt, was man leider nicht zu letzt an den immer weiter steigenden Lebensmittelpreisen erkennen kann.
Doch trotzdem habe ich das Gefühl, dass hier in Bujumbura eine Art „Aufbruchsstimmung“ herrscht und sich etwas bewegt. Allein wenn man von unserem Centre die halbe Stunde zum Markt läuft, sieht man viele Baustellen und auch viele Straßen werden zurzeit neu gemacht und die löchrigen Schotterpisten weichen geteerten „Highways“. Ob sich diese so lange halten, wenn erstmal die Regenzeit begonnen hat wird, sich zeigen. Auch an das Wetter habe ich mich gewöhnt, man schwitzt eben ein bisschen öfters, doch Abends wird es manchmal auch ziemlich frisch, zumindest so, dass es in T-Shirt und langer Hose ganz angenehm ist.
Wie ihr hört geht es mir hier also immer noch sehr gut, auch wenn ich mich manchmal tierisch über die Mitarbeiter oder auch andere Leute aufrege. Zum Beispiel gestern war ein Handwerker bei uns, um ein Schloss auszutauschen, in dem ein Schlüssel abgebrochen war. Ich habe ja auch keine Ahnung, wie man so etwas macht, aber als er mit der großen Flecks die Gitterstäbe des Fensters durchflecksen wollte, nur um ins Zimmer zu gelangen, dachte ich, ich spinne. Danach hätte er sie dann zwar wieder angeschweißt, aber man muss doch trotzdem zuerst einmal nach einer einfacheren Lösung suchen… Also habe ich einen Schraubenzieher genommen, und damit einfach den abgebrochenen Teil des Schlüssels im Schloss gedreht, und die Tür war auf. Irgendwie ist hier die Logik bei manchen gleich wie in Deutschland, erst machen, dann denken…
Jetzt kam gerade Pélin, die Heimleiterin mit Kiki, einer ca. 4jährigen, vorbei und ich musste helfen einen Malaria-Schnelltest zu machen, da Kiki schon seit ein paar Tagen Fieber hat – doch zu Glück negativ. Wie ihr seht ist hier also immer was los! Nun muss ich auch den Computerkurs für heute Mittag vorbereiten, deswegen: bis bald!